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Ich glaube, hilf meinem Unglauben (Mk 9,24)

Ich glaube, hilf meinem Unglauben (Mk 9,24)
Ich glaube, hilf meinem Unglauben (Mk 9,24)
© pixabay

Diese Jahreslosung ist wohl ein rätselhaftes Wort. Ist sie doch in sich widersprüchlich.

Glaubt er nun, der Sprecher, oder nicht?

Wenn ich diesen Satz allein betrachte, finde ich keine Antwort. Vielleicht kann mir die biblische Erzählung, aus der dieses Zitat stammt, Aufschluss geben: Es ist der Ausruf eines Vaters, Vater eines lebenslang kranken Sohnes. 

Ausführlich wird das Krankheitsbild des Sohnes beschrieben und implizit das starke Leid, die große Not und die Angst vor der lebenszerstörenden Kraft unter der vor allem der Vater leidet. Keiner kann ihm helfen!

Als Vater eines chronisch kranken Kindes weiß ich, was es heißt, von Pontius zu Pilatus zu rennen, Hilfe zu suchen und immer wieder zu erfahren: Sie tun schon genug, mehr geht nicht! Da macht sich an vielen Tagen die Verzweiflung breit und raubt die Kraft weiterzumachen. Aber: Stehen bleiben geht nicht! Ich muss Schritt für Schritt weitergehen und weiter suchen. Kleine Schritte, in der Hoffnung dass sich die Situation wenigstens etwas bessert.

Auf dieser schier endlosen Suche begegnet der Vater den Jüngern Jesu. Jesus selbst war gerade nicht bei ihnen. Drei Kapitel vorher berichtet der Evangelist, dass die Jünger schon die Erfahrung gemacht hatten, dass sie selbst heilen konnten. Aber: Hier versagen sie. Jesus kommt jetzt hinzu und der Vater wendet sich an ihn, obwohl gerade wieder seine Hoffnung einmal mehr enttäuscht wurde. "Wenn du kannst", sagt er zu ihm, "hilf ihm" (und auch mir). Jesus spürt die Not des Vaters. Er reagiert aber ganz anders, als wir es erwarten würden: er kanzelt ihn ab. "Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt!"

Da bricht sich die ganze Not des Vaters ihre Bahn: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Ich glaube ja, sonst würde ich doch gar nicht weitersuchen. Aber ich bin verzweifelt, ich kann nicht helfen, alles, was ich bis jetzt versucht habe war erfolglos, selbst deine Jünger haben versagt, mein Glaube ist weg.

"Ich glaube, hilf meinem Unglauben" ist mehr als eine Spannung: Es drückt die innere Zerrissenheit des Vaters aus. Und es drückt auch seine Bedürftigkeit aus. Die Bedürftigkeit des Vater ist dann auch meine Bedürftigkeit. Glauben kann ich nicht allein und es geht nicht von selbst, sozusagen automatisch. "Ich glaube", ist kein performativer Satz, der bewirkt, was es sagt, wenn er gesprochen wird.

Immer wieder kommen Rückschläge, Enttäuschungen und Zweifel auf meinem Glaubensweg auf. Der Glaube wird erschüttert: Unglaube macht sich breit. Ich brauche Hilfe beim Glauben. Ich muss ihn mir zusagen, schenken lassen, von allein geht es nicht. Dann erst wirkt der Glaube, so wie es an vielen anderen Stellen von Jesus gesagt wird: Der Glaube rettet. Er rettet aus Not, Verzweiflung und Angst. Das erfährt der Vater in dieser Erzählung.

Ich glaube, hilf meinem Unglauben ist in diesem Kontaxt nicht widersprüchlich. Es ist kein ja zum nein oder ein nein zum ja. Dieser Satz formuliert die Zerrissenheit und Bedürftigkeit meiner Seele: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben!"

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